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Peru John - Photograph Portfolio - Halle Saale
Willi Sitte Projekt
 
Gemälde einer Vernissage
Idee & Konzept: Peru John / HALLEHautnah
Bilder: Willi Sitte
Musik: Wolfgang “Paule” Fuchs / POND
Bilder einer Ausstellung

Petersburg 1874. Anlässlich des Todes seines Freundes, dem Künstler Victor A. Hartmann,komponiert Modest Mussorgsky den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ und transferiertauf diese Weise dessen ausdrucksstarke Bilder in die Welt der Musik. Fast fünfzig Jahrespäter verwandelt Maurice Ravel jenes Klavierstück in ein Werk für Orchester und trägt somaßgeblich zu dessen Andenken bei. Den Beweis dafür liefern die modernen Bearbeitungender britischen Rockband Emerson, Lake und Palmer sowie des japanischen MusikersIsao Tomita. Auch die in DDR führende Elektronikband POND kreiert eine Version des Stücks.Das Ergebnis: Eine geschickte Verschmelzung von neuzeitlicher Musiktechnik und klassischenSpielweisen, welche POND auszugsweise sogar mit dem Cottbusser Sinfonieorchester aufführt. Zur Zeit arbeitet POND an einem weiteren äquivalenten Werk.

Halle 2008. Das Konzept ist geblieben, nur die Rollen haben gewechselt.Der Künstler: Professor Willi Sitte, international bekannter Maler und jahrelangerDirektor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale.Der Komponist: Wolfgang „Paule“ Fuchs, auch bekannt als POND.Kopf und Initiator dieses Vorhabens ist Peru John, Diplompädagoge und Photograph.In Zusammenarbeit mit der HALLEHautnah – Gruppe sowie der Willi–Sitte–StiftungMerseburg hob er das Projekt „Gemälde einer Vernissage – Bilder von Willi Sitte“aus der Taufe.

Doch wie fiel die Wahl auf den Künstler Willi Sitte?
Der Frage „Warum Willi Sitte?“ lässt sich entgegnen: Warum denn nicht?
Denn kaum ein anderer moderner Maler entzweit die Gemüter in punkto Kunst so wie Willi Sitte. Dass sein Leben sich schon immer um die Kunst dreht und er selbige bewusst und konsequent einsetzt, beweisen bereits seine frühen Werke. Als junger Soldat der deutschen Wehrmacht schließt er sich 1944 den italienischen Partisanen an und verwendets eine Begabung für das Zeichnen, um durch Bilder den Krieg und Faschismus anzuklagen.1947 zieht es ihn nach Halle. Aus dem Zeichner wird ein Maler und bald erfolgt ein rasanter Aufstieg in der Kunstszene. 1972 erhält er auf der 3. Internationalen Grafikbiennale in Florenz die Goldmedaille. Fünf Jahre später beteiligt er sich als Vertreter des„Sozialistischen Realismus“ an der größten je veranstalteten Kunstausstellung in Deutschland, der „dokumenta 6“. Diese internationale Anerkennung erhält er nicht ohne Grund, allegorisieren die Bilder Willi Sittes doch eine breitgefächerte Auswahl anpolitischen und menschlichen Themen. Sie verurteilen ausdrucksstark Krieg und Imperialismus, rühmen die Arbeiterklasse sowie die menschliche Solidarität ohne siezu verherrlichen und gewähren einen ungescheuten, üppigen und doch ästhetischen Blick auf die Erotik. Seine Bilder sprechen für sich und finden nun ihr Echo in der Musik.

booklet
Bitte Bild anklicken für Galerieansicht

Gemälde einer Vernissage“

Das Gesamtwerk wurde in drei Teile - Frühe Jahre, Leben,Glauben - eingeteilt. Es beginnt und verbindet diese Teile mitVarianten der Ouversage. Ouversage ist ein Wortspiel zwischenOuvertüre und Vernissage und stellt die enge Verbundenheitzwischen der Malerei und Musik dar. Musikalisch entstanddieses Stück aus den Initialen des Namens Sitte.

Ouversage I
Frühe Jahre
1. Die vergessenen Bilder
2. Danza funebre del terzo Reich
3. Totenmaske meines Großvaters

Ouversage II
Leben
4. Die Rückgabe des Apfels
5. Familie am Sonntagmorgen
6. Montagearbeiter
7. Das Unheil begehrt Einlaß

Ouversage III
Glauben
8. Warschauer Paar
9. Biko
10. Kathrin trommelt
11. Höllensturz in Vietnam
12. Im Namen Gottes
Bonus: 13.Twin Tower Tragedy / 11. September

Ouversage
Wortschöpfung des Komponisten aus den Substantiven „Ouvertüre“ und „Vernissage“, komponiert anlässlicheiner Ausstellungseröffnung sowie der Neugestaltung der Sitte-Galerie am 03.11.2007.Dabei wurden, soweit möglich, Sittes Initialen in Töne gesetzt (es,e,d,d,e). Dieses Thema wird wiederholt in abgewandelter Gestalt erklingen und die einzelnen Themenblöcke des Zyklus' verbinden.

Die vergessenen Bilder

Beide Zeichnungen werden in einem gemeinsamen Musikstück zusammengefasst, sind aber dennoch erkennbar musikalisch voneinander getrennt zuzuordnen . Im ersten Teil umspielen Akustikgitarren melancholisch ein Markttreiben im Sechsachteltakt, während im zweiten Teil eine liebliche Geigen- stimme ihr Herzeleid beklagt.

Danca funebre del terzo Reich
Musikalisch wird das drohende Unheil der NS-Zeit durch Marschmusik und Sirenengeheul angedeutet,um im eigentlichen wild-rhythmischen „Totentanz“ zu explodieren. Das Werk endet in einem musikalischen Kollaps, in dem der Trommelrhythmus abrupt aufhört und der „Gleichschritt“ sowie die Marschmusik im Chaos untergehen.

Totenmaske meines Großvaters
Durch melancholisch-elegische Klangstrukturen wird dem „friedlich schlafenden“ Gesichtsausdruck des Toten Rechnung getragen. Die engelsgleichen Chorstimmen, der harmonische Streichersatz sowie derVogelgesang erwecken den Eindruck eines friedvollen Hinübergleitens ins Jenseits.

Die Rückgabe des Apfels
Die hektischen und zänkisch-keifenden Sequenzerstimmführungen am Anfang des Werkes verdeutlichen die rivalisierenden Machtbestrebungen der Göttinnen Hera, Athena und Aphrodite um die Gunst desApfels, die Paris seiner „Auserwählten“ zukommen lassen soll. Am Ende des Stückes hingegen wird durch die überzeugende und optimistische Harmonieführung sowie den gradlinigen Vierviertelrhythmus die Einigkeit der Rückgabe des Apfels an Paris Ausdruck verliehen.

Familie am Sonntagmorgen
Die einfache, kindlich-naive Melodie kehrt mehrfach wieder, um im Mittelteil zunächst pur, dannaber am Ende im vollen Arrangement zu erklingen. Dieser musikalische Reigen verdeutlicht dieSpielszene der Eltern am Sonntagmorgen mit den Kindern in einer geborgenen und entspanntenAtmosphäre. Die kinderliedähnliche Melodiefolge lässt den Zuhörer bzw. Betrachter des Bildesan der privaten, intimen Situation teilhaben.

Montagearbeiter

Am Anfang und Ende des Titels symbolisiert ein monoton walkender Beat den Arbeitsrhythmus derMontagearbeiter. Im Mittelteil werden polyfone Rhythmusstrukturen atonale Melodiefolgengegenübergestellt, die im metropolis'schem Stil an die „Großstadtsinfonie“ erinnern. Diese Geschäftigkeit und Lebendigkeit der Lebens- und Arbeitsprozesse sind im Stile der 'Illustren Musik'der 20-er Jahre des vorigen Jahrhunderts angelegt.

Das Unheil begehrt Einlass
Schon die Sekundenintervalle am Anfang lassen förmlich das drohende Unheil erahnen. Hektische Streichersequenzen kulminieren in einen aggressiven Drumrhythmus, der den Kampf um den Einlassdes Bösen durch die Tür widerspiegelt. Die dramatischen, aber versöhnlichen Strings am Ende des Titelslassen ein erfolgreiches Abwehren erkennen.

Warschauer Paar

Durch die chopinesque-virtuose Klaviereinleitung wird ein melancholisch-trauriges Timbre erzeugt, das durch das jiddische Klagesolo seinen Höhepunkt findet. Der harte, düstere Rockrhythmus anschließend lässt das Leid und Elend des abgebildeten Paares auch nur erahnen, das sie gerade durchleben.

Biko

Die fanfarenähnlichen Bläserstimmen symbolisieren den mutigen Kampf von Steve Biko gegen Apartheidund Rassismus in Südafrika. Schon wenige Takte später wird dramaturgisch das Scheitern hörbar; unterstützt durch traurig- elegische Harmonie- und Melodiebögen. Schlussendlich keimt noch einmal Hoffnung auf und macht deutlich, dass sein Kampf nicht umsonst war.

Kathrin trommelt

Der Titel ist hier Programm. Wilde Trommelrhythmen im Paradiddlestil wechseln sich ergänzend ab undwerden im zweiten Teil mit Melodietönen versehen. Anschließend werden die Trommelpassagen gänzlich ausgeblendet, damit diesmal die Melodietöne pur in Erscheinung treten. Am Schluss korrespondieren Melodie und Trommeln in ein Frage-Antwort-Schema.

Triptychon: Höllensturz in Vietnam

A.Vietnamesin
Durch die fernöstlichen Musikinstrumente wie Koto und Flöte wird der Zuhörer in die südostasiatische Welt versetzt. Die düsteren Streicher sowie die spannungsgeladenen Harmonien verdeutlichen das Leid der abgebildeten vietnamesischen Frau.
B. Höllensturz in Vietnam
Dem Hauptwerk in malerischer Hinsicht wird auch musikalisch Rechnung getragen und istnahezu in der klassischen Orchestermusik angelegt. Insbesondere sich dramatisch steigerndeBläser und Streicherakkorde kulminieren mit Kesselpauken und Gongs zum Höhepunkt, umdann im folgendem Orchesterdecrescendo in einen polyrhythmischen Trommelteil überzugehen.
C. Trommler
Angedeutet wird eine drohende Gefahr durch mystische Basslinien sowie die angedeuteteamerikanische Nationalhymne, die die vernichtenden Fliegerbombereinsätze ankündigen.Der Trommelrhythmus soll das bevorstehende Inferno weit ins Land tragen und die vietnamesischeBevölkerung warnen.

Im Namen Gottes

Der sakral dominierende, fast schon aggressive Orgeleinstieg und die darauffolgenden fliehendenFugenthemen sollen das Gemetzel der abgebildeten Menschenmenge interpretieren.Der engelsgleich schöne Mittelteil erhofft aber letztendlich eine bessere Zukunft. Amfulminanten Orchesterschluss werden nochmals, wie bereits in der „Ouversage 1,2 und 3“, dieInitialen des Malers (es-c-d-d-e) in Töne gesetzt.

Twin Towers Tragedy / 11.September

Beide Künstler, Maler und Komponist, haben zu gleicher Zeit unabhängig voneinanderdie furchtbaren Ereignisse des 11. September 2001 in New York verarbeitet. Sie stehen imgleichen Kontext und drücken jeweils die Gefühle der Künstler aus und funktionieren, jakommunizieren miteinander auf verblüffende Weise.Gewidmet sind die beiden Werke den Opfern der Tragödie und deren Hinterbliebenensowie den eigentlichen Helden der Katastrophe, den Feuerwehrleuten aus New York.


Paule und Peru Sitte Atelier